Freitag, 19. Januar 2007

Wie komme ich durch den Tag ohne Medienrecht zu lernen?

In einer Woche und 4 Tagen steht die gefürchtete Medienrechtklausur vor der Tür. Von einigen Drittsemestern wurde uns geraten schon früh mit dem Lernen anzufangen. Für alle, die es sich wie ich vorgenommen hatten, aber sich jetztnicht durchringen können etwas zu tun, ein paar Ausreden wie man über den Tag kommt:
  • Vor 10 Uhr: Es ist zu früh zum Lernen. Ich schlafe ja noch. Außerdem kann ich nur ausgeschlafen gut lernen.
  • Vor 12 Uhr: Ich bin gerade erst aufgestanden und kann noch nicht lernen. Man muss schließklich richtig wach sein um gut lernen zu können.
  • Kurz nach 12: Ich muss jetzt erstmal etwas essen. Mit leerem Magen lernt es sich so schlecht.
  • Kurz vor 14 Uhr: Ich bin so vollgegessen. Ich kann nicht lernen, wenn ich mich so voll fühle. Am besten ruhe ich mich erstmal aus.
  • Kurz vor 16 Uhr: Ich brauch erstmal nen Kaffee.
  • Gegen 17 Uhr: Jetzt wird es ja schon dunkel. Das depremiert mich. Wie soll man denn da lernen?
  • Ziemlich genau 18 Uhr: Jetzt muss ich erstmal Simpsons gucken.
  • Gegen 19 Uhr: Oh schon so spät...Naja ich ess erstmal Abendbrot.
  • Kurz vor 20 uhr: Jetzt könnte ich wirklich mal anfangen zu lernen...
  • 15 Minuten später: Oh jetzt fangen die guten Filme an. Das darf ich nicht verpassen!
  • Irgendwann zwischen 22 und 23Uhr: Naja jetzt lern ich eh nichts mehr. Ich geh lieber nochmal auf ne Party und ab morgen klotz ich dann richtig ran.

Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie es am nächsten Tag weiter geht. Für alle Frühaufsteher und Nichtsesser unter euch noch ein paar extra Ausreden:

  • Ich muss noch sauber machen/ aufräumen
  • Ich muss noch zum Geburtstag meiner Oma
  • Ich muss die Katze füttern
  • Ich kann mich so schlecht konzentrieren, wenn alle anderen was anderes machen
  • Ich bin müde
  • Ich hab Kopfschmerzen
  • Mein Freund lenkt mich immer ab
  • Ich muss noch telefonieren
  • Ich muss noch bloggen......

Samstag, 13. Januar 2007

Wo kommt nur das Wasser her?

Es gibt Tage, da will man einfach nicht aus dem Bett kommen. Diese durchaus nachvollziehbare Einstellung ist umso nachvollziehbarer, wenn man in der Nacht bis 5 Uhr auf einer Neujahresfete war und sich so richtig betrunken hat. Nun gibt es leider auch Tage, an denen muss man einfach aufstehen. So wie ich heute morgen, denn heute war Hauseinsatz.
Dazu solltet ihr wissen, dass ich in einer Studentenverbindung bin und wir deshalb pro Semester etwa 2 Mal einen Tag haben, an dem wir eventuelle Schäden am verbindungshaus reparieren. Das ganze beginnt damit, dass sich die Hausbewohner (so wie ich) nach 4 Stunden Schlaf aus dem Bett quälen, um pünktlich um 10 Uhr am Treffpunkt (dem Wohnzimmer) zu erscheinen und um dann feststellen zu müssen, dass alle anderen erst 2 Stunden später eintrudeln und man deshalb noch getrost eine Stunde länger hätte schlafen können. Aber reden wir nicht von solch unwichtigen Dingen wie schlafen. Ein Student braucht schließlich keinen Schlaf.
Nachdem dann also etwa gegen 12 Uhr endlich auch die Letzten angekommen sind, setzt man sich gemütlich hin und frühstückt erst einmal. Nebenbei denkt man sich lustige Aufgaben aus, die man erledigen könnte. So zum Beispiel das Abschleifen einer versüfften alten Arbeitsplatte oder das Streichen einer Wand.
Nun begab es sich, dass einer der fleißigen Studenten an der Toilettenwand eine hohle Stelle fand, die er sogleich auch ein wenig öffnete. Sekunden später kam er zu den anderen und berichtete von seinem Fund. Hinter der Wand war es feucht. Doch wo sollte das Wasser nur herkommen? Ergriffen vom Ehrgeiz der Sache auf den Grund zu gehen, schnappte ich mir also einen Hammer. Mit Entsetzen erkannte ich, dass der Putz der Wand schon bei geringen Berührungen ins bröckeln kam und sogleich hinab fiel. Also entschloss ich mich das Loch ein wenig zu vergrößern. Während ich da so rumklopfte und einige feuchte Steine fand, kam der selbige Student, der den Schaden entdeckt hatte mit einer neuen Botschaft.
Inzwischen hatte er sich an der anderen Seite der Toilettenwand (im Bad) zu schaffen gemacht und eine Reihe Fliesen von der Dusche entfernt. Dahinter entdeckte er einige grün-grau-violett-schimmernde Kulturen und etwas Erdiges im Boden. Erschrocken buddelte er weiter und stieß auf einen Hohlraum unter der Dusche. Sogleich kamen die anderen Studenten herbei, um sich das ganze zu betrachten. Einige Mutige trauten sich sogar in das Loch hinein zu greifen. Was sie dort fanden schockierte mich sehr. Anscheinden gab es unter unserer Dusche auch noch einen See.
Entsetz begannen die Studenten die komplette Dusche zu entfliesen. Es dauerte auch nicht lange, bis sie auf noch mehr nasse, verschimmelte Ecken stießen. Nun war es mitlerweile schon so spät, dass man beschlossen hatte am nächsten tag mit der Arbeit fortzufahren...Nunja nun werdet ihr euch fragen, wo das Wasser denn nun herkommt! Diese Frage kann ich leider noch nicht mit Gewissheit beantworten. Aber ich verrate euch gerne, was vom Hauseinsatz übrig geblieben ist:
Eine Chaotische Küche ohne Arbeitsplatte, da diese noch im Saal zu trocknen liegt. Außerdem eine Toilettenwand, deren Tapete und Putz nun nicht mehr an der Wand, sondern am Boden liegen. Und natürlich auch das Bad. Nunja mitlerweile erinnert es eher an eine vielfältig besiedelte Duschecke, mit einem kleinen erdigen Vorgarten in dem sich jedoch ein Loch mit einem unterirdischem See befindet.
So schnell wird aus einem Hauseinsatz ein Leben auf einer Baustelle......

Mittwoch, 10. Januar 2007

Ein lustiger Tag im Leben des Tim

Es ist ein Tag wie jeder andere in Tim´s Leben. Freudig verlässt er die Uni. Heute hat es Tim besonders eilig. Er muss noch nach B. zu einer Art "Heiler". Ihr solltet wissen, dass Tim ganz gerne auf alternative Heilmittel zurück greift. Außerdem ist er ein Frühchen und hat deshalb viele Blockaden, die es nun zu beseitigen gilt.
Während Tim nun auf dem Weg zum Bahnhof über die Pfalstersteine springt und versucht den Zug noch zu erreichen, bemerkt er die offene Schoko-Sojamilch in seiner Tasche. Im Rennen versucht er sie herauszuholen und bespritzt seine weiße Hose mit der dunklen Flüssigkeit. Über die riesigen Flecken auf dem geliebten Kleidungsstück ist er so entsetzt, dass er eine Schicht zertretene, rote Beeren auf dem Gras übersieht. Im nächsten Moment findet er sich auf dem Boden sitzend wieder. Diese Chance nutzt Tim, um die Sojamilch von seinen Büchern zu entfernen, bis ihm einfällt, dass er in 4 Minuten am Gleis 3 sein muss.
Hurtig erhebt er sich vom Boden und rennt mit seiner braun gefleckten weißen Hose mit rotem Beerenfleck am Hinterteil weiter. Tim lässt sich auch von den wirren Blicken der Fußgänger nicht irritieren und erreicht glücklich den Zug. Sofort begibt er sich in die Toilette für Behinderte - wodurch er natürlich die Aufmerksamkeit seiner Mitfahrer erregt.
Auf dem WC sitzend und sich die Flecken von der Hose reibend denkt er über die vergangenen 15 Minuten nach. Schließlich bricht er in wildem Gelächter aus, als er darüber nachdenkt, in welch amüsanter Form er dieses Erlebnis seinen Mitbewohnern auftischen kann. So sitz er da und reibt, bis er schließlich in B. ankommt. Auch in B. wird er von den Leuten komisch angesehen, doch das stört Tim nicht. Fröhlich pfeifend hüpft er zum Heiler. Dieser wirft einen irritierten Blick auf Tim, als er dessen seltsam gestylte Hose erblickt. Ohne jede Scham, entschuldigt er sich für das ungewöhnliche Erscheinen und reißt sich die Klamotten vom Leib. (Tim ist übrigens auch ein Exhibitionist)
Darüber ist der Heiler so erfreut, dass er Tim so gleich die Hand an die Füße legt und dort verharrt. - Ihr solltet wissen, dass dies eine anerkannte Methode ist Blockaden zu lösen. Tim weiß dies zu schätzen und streckt dem Heiler sofort auch noch den Hintern entgegen. Angeregt schiebt der alte Mann seine Finger auf das Gesäß und fühlt sich in seiner Berufswahl wieder einmal bestätigt. Nach einer Stunde ist die Sitzung vorbei und Tim fühlt sich vollkommen erfüllt.
Befriedigt und absolut befreit von allen Blockaden macht er sich auf den Weg zum nächsten Jeans-Geschäft und kauft sich im Rausch ein neues paar Hosen.
Und was er damit angestellt hat, erfahrt ihr das nächste Mal....

Dienstag, 9. Januar 2007

Ein typischer Dienstag

06:32 Uhr - Völlig verwirrt erwache ich aus einem furchbaren Traum und ärgere mich Sekunden später schon darüber, dass ich schon wach bin, obwohl ich eigentlich noch 22 Minuten schlafen kann. Genervt drehe ich mich um und schlafe weiter.
06:54 Uhr - Ein weiteres Mal erwache ich völlig verwirrt. Diesmal wurde ich voneiner fürchterlichen Stimme erweckt, die aus meinem Radiowecker dröhnte.
06:56 Uhr - Mitlerweile habe ich mich aus dem Bett gequält und begebe mich auf den Weg zum Bad. Dabei muss ich feststellen, dass mein neuer Mitbewohner das Bad blockiert. Genervt stolpere ich in die Küche, um mir einen Tee zu machen - mein Hals tut nämlich scheiße weh.
07:07 Uhr - Inzwischen hab ich einen tee gekocht und war kurz im Bad. Jetzt bin ich wieder in meinem Zimmer, wo kurze Zeit später Laurin reingestolpert kommt. Er zieht mich damit auf, dass ich jetzt schon weg muss und legt sich wieder schlafen. DAMN IT!
07:40 Uhr - Nachdem der Versuch meine Haare zu bändigen, Frühstück zu machen und mein verschlafenes Gesicht einigermaßen unter einer Schicht Make-up zu verstecken, mache ich mich auf den Weg zum Bus. Natürlich ist es nass und kalt draußen...
08:16 Uhr - Ich hab die 30 Minuten Busfahrt nach fucking Dieburg überlebt und stoße auf dem Weg zur Lolo-Vorlesung auf die Freaks vom Wohnheim. Sofort springe ich Chozen an und schreie "Jaaaaa SAW 3 - gucken!!!!!"
Der typische Dienstag nimmt seinen Lauf...
Wie immer nerve ich die anderen und hickse herum. Dies tu ich so lange, bis wir endlich in den Übungsraum gehen und wir einen Blog erstellen sollen. Naja nun sitze ich hier...

Tim´s fantastische Welt

Tim´s fantastische Welt

Es ist halb sieben und Tim sitzt wir immer gebannt vor seinem Rechner. Er guckt sich nicht etwa pornografische Bilder an, sondern er spielt World of Warcraft – kurz WoW. Dabei freut er sich heute besonders über ein ziemlich stylisches Schwert, dass er dank spielerischer Raffinesse und Geschick am gestrigen Spieltag zu einem Drittel oder sogar noch viel weniger, es war nämlich super günstig, des ursprünglichen Einkaufspreises erworben hat. Dieses lila strahlende Schwert passt sich seinem Outfit wunderbar an und ist deshalb extrem wichtig für seinen Charakter.
Momentan hat Tim einen kleinen Panzer übernommen und schießt damit willkürlich auf andere Kleine- Panzer- Fahrer. Der Sinn des Spieles ist alle anderen gnadenlos zu vernichten. Ob Tim mit seinem Mörderherz dabei Erfolg haben wird, wird sich im Laufe der nächsten Minuten zeigen. „Das ist einfach nur total bescheuert." Beteuert er und lässt sich dennoch nicht von dem irrsinnigem Spiel, ohne Ende, abbringen. „Ich mach das ja nur aus Langeweile", sagt er weiterhin und stopft dabei Schokolade in sich. Schmatzend wundert er sich über den eigentlichen Sinn des Lebens, den er eh niemals herausfinden wird.
Mit einem nervigen Tappen auf den Ball, der eigentlich mir gehört, versucht er mich aus der Ruhe zu bringen. Dabei blickt er dumm vor sich hin.
Kommen wir zurück zum wichtigsten Fakt im Leben des Tim: WoW. Eigentlich mag er dieses Spiel gar nicht mehr. Aber da er sich gerne den Zwängen einer Gruppe hingibt, lässt er sich nicht davon abhalten den banalen Handlungen in einer irren Welt nachzugehen. Eine Handlung, welche die Langeweile von Tim und seinen Mitspielern zum Ausdruck bringt, ist das sinnlose Herumhüpfen. Dieser Akt, der an einen Balztanz erinnert, wird solange vollzogen, bis die Langeweile komplett ausgetrieben ist. Danach fängt man an sich gegenseitig per Teamspeak seltsame Botschaften, wie „N.N. heuli" (zu deutsch „Need no heulen" = brauche kein weinen) zukommen zu lassen. Den genauen Inhalt zu verstehen ist sehr kompliziert und auch für geübte Hörer ein schwieriger Akt.
Zusammengefasst könnte man den Akt der Langenweile auch in verschiedene Phasen unterteilen:

Phase 1 sinnlos herumspringen
Phase 2 im Teamspeak sinnlose Kommentare abgeben
Phase 3 die Kommentare als sinnlos empfinden und seine Meinung in Schriftform zum Ausdruck bringen
Phase 4 auf dem Tisch rumgammeln und Dinge verschütten
Phase 5 sich etwas zu Essen machen (dabei im Hinterkopf haben, dass man gleich weiterspielen muss)
Phase 6 schnell wieder hoch rennen und weiter machen mit Phase 1

Nun muss man dazu sagen, dass diese Phasen bei unserem Tim ein bisschen anders ablaufen. Schließlich hat er seit 40 Tagen eine liebreizende Mitbewohnerin (meine Wenigkeit) , die ihm die lange Zeit des Wartens versüßt. Aber leider kann auch sie ihm nicht weiterhelfen, wenn er Höllenqualen durchleidet. Denn ab und zu stürzt sein PC komplett ab und dies ist bei Tim mit einem Weltuntergang gleichzusetzen. Um seinen Zorn dann abreagieren zu können, benutzt er eine seltsam quietschende Maschine. Die dabei entstehenden merkwürdigen Geräusche werden von dem furzenden Knietschen des Balls, welchen er mir gestohlen hat, übertüncht.
Mittlerweile ist es 19 Uhr. Tim sitzt immer noch gelangweilt vorm PC und wartet darauf, dass etwas spannendes passiert. Natürlich verrate ich ihm zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, dass dieses besondere Ereignis, welches er sich erhofft, niemals stattfinden wird. Lieber lausche ich den lieblichen Klängen seiner krächzenden Stimme und folge mit meinen Augen den sanften Bewegungen seines Rumpfes. Zusammen mit der quietschenden Maschine und dem knietschenden Ball ergibt dies ein beinah lächerliches Gesamtbild. Nun bedauere ich einmal mehr keine versteckte Kamera in Tim ´s Zimmer installiert zu haben.
Es ist 19:16 Uhr. Inzwischen ist Tim ´s PC mal wieder abgestürzt. Diesmal hat er sogar die Ursache für das plötzliche Ableben des Computers herausgefunden. Sobald er ein Musikvideo abspielt und wieder zu WoW wechseln will, stürzt das Wunderwerk der Technik ab. Meiner Meinung nach steckt dahinter ein tieferer Sinn. Sicherlich ist der PC es inzwischen auch schon Leid immer dasselbe zu erleben und versucht ihn nun von dem Spiel durch eiskalten Entzug weg zu bringen. Bisher war dies weniger erfolgreich, doch ich bin mir sicher, dass wir es mit vereinten Kräften schaffen werden.
Es ist 19:38Uhr. Endlich geht es los. Zunächst müssen sich alle Mitspieler an einen vorher verabredeten Ort begeben. Nachdem Tim dort angekommen ist beginnt er seine Fläschchen mit den Zaubertränken (Tim ist ein Magier) zu ordnen und vorzubereiten. Wieder herrscht Stille und die Langeweile beginnt sich zu verbreiten. Tim beginnt mit Phase 1. Seine Gildenkammeraden sind bereits bei Phase 2 und 3 angelangt. Anscheinend hat meine Anwesenheit doch Auswirkungen auf das Verhalten und Empfinden von Tim . Meine Hoffnung ihn irgendwann ganz von diesem Spiel wegzubringen, wird also bekräftigt.
Kommen wir zurück zum Spiel. Tim bzw. seine magische Figur, lässt sich auf dem Rücken eines Tigers durch den Wald tragen. Bis hin zu einer Art Burg, vor welchem sich bereits einige seiner springenden Genossen eingefunden haben. Erst jetzt entdecke ich ein mir bisher unbekannt gebliebenes Schriftstück. Nennen wir es „DIE LISTE". Auf dieser sind verschiedene Daten und Zeitangaben niedergeschrieben. Wie sich herausstellt, handelt es sich hierbei nicht um eine sinnlose Aneinanderreihung von Zahlen, sondern um die Mitschrift der Zeiten, zu welchen Tim am Spiel teilgenommen hat. Schnell kritzelt Tim einige weitere Symbole auf DIE LISTE und lässt sie sofort wieder in den tiefen Abgründen seines Schreibtischchaos verschwinden. Anscheinend handelt es sich um ein sehr wichtiges Dokument, dessen Inhalt der Welt verborgen bleiben sollte.
Wenden wir uns wieder dem Spiel zu. Vor lauter Langeweile hat sich Tim dazu entschlossen wieder durch den Wald zu rennen und ein seltsames Gebäude aufzusuchen. Vor ihm rennt ein weißhaariges Ding, mit kräftigen Oberarmen und einer schmalen Hüfte. Tim ´s Weg führt ihn durch verschiedene große Säle, deren Torbögen mit Totenköpfen verziert sind. Außerdem tropft eine giftgrüne Flüssigkeit von den Wänden. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um solche Körperausscheidungen, welche normalerweise durch die Nase abgesondert werden. Nun trifft Tim endlich wieder auf eine Gruppe anderer Verrückter. In mir erwacht der Glaube, es könnte nun bald losgehen...
Zu meiner Verwunderung habe ich gerade eine der seltsamen Botschaften des Teamspeak vernommen und wie mir scheint, auch verstanden. Man einigte sich darauf nun noch zwei Stunden weiter zu spielen. Wobei mir gerade etwas schleierhaft ist in wiefern man das bisherige Rumgehüpfe als spielen bezeichnen kann.
Es ist fast 20 Uhr und es ist immer noch nichts weltbewegendes passiert. Ich denke, dass selbst der fanatische Tim mir dabei zustimmen würde.
Inzwischen sind wir so weit, dass per Teamspeak die Anwesenheit verschiedener Gildenmitglieder überprüft wird. Mir scheint, als würde man die seltsame Aneinanderreihung von Silben per Teamspeak nach einer Weile verstehen. Diese scheinbar hochkomplexe Sprache ist für aufmerksame Zuhörer also recht schnell zu erlernen.
Zwei Minuten nach 20 Uhr. Ein erster Befehl ertönt durch die heiligen Hallen des Teamspeak. „Bitte alle nach hinten und so wenig wie möglich reden!" Ich glaube nun wird es endlich beginnen. Man erläutert die Vorgehensweise und gibt letzte Tipps. Die Gruppe hat sich zurückgezogen und versammelt. Vor ihnen steht der Boss. Ein großes, haariges Etwas. Ein letzter Befehl: „Vollste Konzentration." Und es geht los.
Verschiedenfarbige Lichtblitze treffen auf den Boss ein. Er schlägt um sich. Nacheinander werden nun die Gruppen 1 bis 5 aufgerufen. Mit Feuerbällen bewaffnet bahnt Tim sich den Weg. Wenn man nun seinen Blick weg von der spannenden Handlung auf dem Bildschirm wendet, sieht man wenig Spektakuläres. Tim tippt ununterbrochen auf einer Taste herum und starrt dabei gebannt auf den PC. Es scheint als wäre er in einer anderen Welt. Er ist hochkonzentriert und vermutlich auch nicht ansprechbar. Er beginnt zu stöhnen. Seufzen. Der Hoffnungsschimmer in seinen Augen verliert sich langsam. Man rechnet damit zu verlieren. „Boahr das reicht nicht!" und ein leiser Seufzer sind die letzten Worte, welche Tim über die Lippen gehen, bevor auf dem Bildschirm ein unbarmherziger Schriftzug erscheint. „Ihr seid gestorben." Heißt es und nun sind alle Hoffnungen zerstört. Es ist 20:11 Uhr. So eben wurden wir Zeuge eines 9 Minuten andauernden Spektakels, welches zwei Stunden Vorbereitung benötigte. Da stellt sich einem doch wirklich die Frage nach dem eigentlichen Sinn des Spieles und nicht die, nach dem Sinn des Lebens. Schließlich sollte man durch ein Spiel doch unterhalten und befriedigt werden und nicht gelangweilt. Da hat das Leben an sich mehr zu bieten.
Aber zurück zu WoW. Man hat beschlossen sich einem anderen Boss zu stellen. Dieser sieht dem ersten zwar äußerlich ziemlich ähnlich, hat aber einen anderen Namen und ist somit natürlich auch völlig anders. Wieder versammelt man sich in einer Gruppe. Die Spieler der Gilden scheinen Herdentiere zu sein oder sie beugen sich nur einfach dem Gruppenzwang.
Erneut ertönt die mir inzwischen bekannte Stimmte: „Wie lang braucht ihr noch?" Wir werden von einem störenden Türklingeln unterbrochen. Schwermütig trennt sich Tim von meinem Ball und öffnet die Tür. Es ist MZ. Stolz präsentiert Tim sein großes, lila schimmerndes Schwert. MZ scheint davon wenig begeistert und befeuchtet den Boden.
Völlig abgelenkt von den mich umgebenden Ereignissen verpasse ich fast Tim ´s große Siegesstunde. Doch der Triumph über zwei untere Bosse ist nur von kurzer Dauer. Der Maintank-Shooti ist gestorben. Unmut macht sich breit. Die verstorbenen Gildenbrüder beginnen wieder damit einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nachzugehen, dem Umherrennen. Derweil gönne ich mir eine kleine Versorgungspause. Als ich wiederkomme finde ich einen kleinen, verstörten Tim wieder. Es schmerzt mir in der Seele, als er mir von seinem tragischen Tod erzählt. Doch die Trauer legt sich schon bald wieder. Beim dritten Angriff zeigen sich endlich die unglaublichen Fähigkeiten, welche in Tim stecken. Von diesem Moment an besteht kein Zweifel mehr: Tim ist IMBA.
Um 21:10 Uhr endlich die frohe Botschaft: Nach dem dritten Anlauf hat man den Boss endlich besiegt. Die Stimmung steigt und alle sind glücklich.
Welch schönes Happy End!